Reiseführer Songjiang

Songjiang, China

By the Travel Wiki editorial team

Songjiang: Shanghais ruhigere Tor zur Welt

Songjiang ist nicht das Shanghai des Bund oder die vertikale Skyline von Pudong. Dieser Vorortbezirk, dessen Name im Chinesischen „Kiefernzweig“ bedeutet, liegt am Rande der Stadt, wo die urbane Dichte einer weiten Atempause weicht. Hier finden Sie Pagoden, die Jahrhunderte überdauert haben, klassische Gärten, in denen man sich in Pavillons und Labyrinthen verlieren kann, und plötzliche Inseln unerwarteter Eigenheiten – wie ein akribisch inszeniertes englisches Dorf, das wie eine Filmkulisse wirkt, die nur auf ihre Schauspieler wartet. Es ist der Ort, an den man zieht, wenn das Trubel des Stadtzentrums ermüdet oder wenn man neugierig darauf ist, was Shanghai jenseits seiner berühmten Silhouette zu bieten hat.

Tempel und Pagoden: Schichten der Zeit

Die Xilin-Pagode aus dem Jahr 1440 ragt mit 46,5 Metern Höhe inmitten eines buddhistischen Tempelkomplexes in der Xita Lane empor. Die Umgebung wirkt authentisch bewohnt und nicht künstlich poliert – ein Teich voller Fische, die man berühren kann, und ein Garten, der lebendig wirkt statt nur zur Schau zu stellen. In der Nähe liegt die Songjiang-Moschee aus dem Jahr 1341 (Yuan-Dynastie), deren Architektur eine Symbiose aus chinesischen und arabischen Formen darstellt. Eine Restaurierung im Jahr 1985 gab ihr vielerlei ursprüngliche Schönheit zurück, und heute versammeln sich dort etwa 300 Gläubige. Das Gebäude ist die älteste islamische Struktur Shanghais.

Südlich und östlich davon liegt die Fangta-Pagode in einem neu renovierten Garten, der von Bäumen gesäumt wird, die etwa sechs Jahrhunderte alt sind. Die Umgebung lädt zur Kontemplation ein – auch wenn die äußeren Bereiche bereits Spuren moderner Freizeitgestaltung tragen: Elektroboote und Kinderscooter. Der etwa dreißigminütige Fußweg von der Xilin-Pagode über die Zhongshan Lu führt zu einem spürbaren Wechsel der Atmosphäre.

Klassische Gärten und saisonale Vielfalt

Der Zuibaichi-Park zählt zu den fünf klassischen Gärten Shanghais und genießt den Status einer nationalen Sehenswürdigkeit. Sein Wert liegt nicht in einem einzelnen spektakulären Merkmal, sondern im harmonischen Wechsel der Jahreszeiten: Pfingstrosen im Frühling, Lotusblumen im Sommer, Chrysanthemen im Herbst und Pfirsichblüten im Winter. Pavillons, Terrassen und Pfade ziehen sich durch die Landschaft bis hin zu einem Labyrinth der Einsamkeit. Der Park beherbergt zudem erhaltene Strukturen aus der Qing-Dynastie – darunter das Strohhütten-Haus über dem Teich, die Lesehalle und die quadratische Halle – sowie ein Museum für klassische Malerei. Es ist ein Ort, der eine langsame Fortbewegung belohnt.

Das Unerwartete und die Archäologie

Thames Town präsentiert sich wie ein komplett versetztes englisches Dorf: Kopfsteinpflastergassen, Pubs, eine stattliche Kirche – das volle Programm. Da die Bewohner oft fehlen, bekommt der Ort eine fast unheimliche, filmische Qualität. Die Straßen wirken oft leer, die Schaufenster still. Dennoch zieht es Menschen an, insbesondere frisch Vermählte, die vor der Kulisse posieren. Ob man den Ort nun aus echter Bewunderung oder als kuriose Studie darüber besucht, wie chinesische Stadtplaner einst England imaginiert haben – das Erlebnis ist einzigartig im gesamten Bezirk.

Der Guangfulin Cultural Relics Park konzentriert sich auf eine archäologische Ausgrabungsstätte, an der antike Artefakte ans Licht kamen. Hier gruppieren sich mehrere Museen: ein spezialisiertes Archäologiemuseum, ein Keramikmuseum, ein Kunstmuseum und eine Ausstellungshalle zur Guangfulin-Kultur selbst. Der Park bildet einen Rahmen für das, was die Erde preisgegeben hat, und macht Schichten von Siedlungen und Handwerk sichtbar, die weit vor dem modernen Shanghai liegen.

Wenn Sie eine Auszeit in der Auszeit suchen

Sheshan bietet zwei Hügel an, die über Pfade und Treppen erreichbar sind – ihre Größe ist groß genug, um den Aufstieg zu belohnen. Auf dem Gipfel befinden sich eine große katholische Basilika aus dem Jahr 1935 und ein Observatorium. Die Menschenmengen können dicht sein, doch die Höhe bietet eine echte Abgrenzung von der bebauten Umgebung des Viertels darunter.

Für eine ganz andere Art der Entspannung dient das Yuncaitang Spa als Komplex im japanischen Stil. Der Eintritt umfasst Nass- und Trockensaunen, Jacuzzis, mehrere Badepools, beheizte Kiesbetten und verschiedene Relax-Räume. Das Baden ist geschlechtsgetrennt. Bei Interesse kann man mit Reisepass übernachten. Die Anweisungen sind nur auf Chinesisch und Japanisch verfasst, was das Gefühl verstärkt, in eine andere räumliche Logik einzutauchen.

Beginnen Sie dort, wo Ihr Interesse Sie hinführt

Songjiang belohnt den Besucher, der ohne die Erschöpfung durch die Intensität Shanghais anreist. Ob Sie sich für die sakrale Architektur der buddhistischen Tempel entscheiden, einen Nachmittag in der saisonalen Logik des klassischen Gartens verbringen oder in die beinahe surreale Präzision von Thames Town eintauchen – der Bezirk bietet echte Alternativen zu dem, was die meisten Besucher erwarten. Die Metro ist gut angebunden. Das Tempo ist ein anderes. Und genau das macht den Reiz aus.

Sources

  1. Songjiang
  2. Wikivoyage: Shanghai/Songjiang

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