Wittenberger "Judensau"

Wittenberg, Germany

Die Tiermetapher „Judensau“ bezeichnet ein im Hochmittelalter entstandenes häufiges Bildmotiv der antijudaistischen christlichen Kunst. Es sollte Christen vor angeblichen teuflischen Gebräuchen der Juden warnen, diese ausgrenzen, demütigen, verhöhnen und das Judentum verleumden. Dort gilt das Schwein als unrein (hebräisch tame) und unterliegt einem religiösen Nahrungstabu. Reliefs, Skulpturen, Plastiken oder Wandbilder mit diesem Motiv erschienen seit 1230 vor allem im deutschsprachigen Raum. Insgesamt sind mindestens 52 Exemplare belegt, 47 davon sind noch erhalten. Seit dem 15. Jahrhundert erschien das Motiv auch als aggressive Typenkarikatur in Druckwerken, seit dem 19. Jahrhundert auch als antisemitische Karikatur. Die deutschsprachigen Schimpfworte „Judensau“ / „Judensäue“, „Saujude(n)“, „Judenschwein(e)“ oder „Schweinejude(n)“ tauchen seit etwa 1800 in Druckwerken auf. Der Nationalsozialismus benutzte diese Hetze in seiner Propaganda, um die Juden zu verfolgen, den Holocaust vorzubereiten und zu rechtfertigen. Der Ausdruck „Judensau“ und verwandte antisemitische Beschimpfungen und Symbole werden bis heute verwendet. Sie wurden in Deutschland als Beleidigung, in Österreich und der Schweiz als ähnliche Ehrdelikte verurteilt. Unter Umständen werden sie auch als Volksverhetzung oder Verhetzung strafrechtlich verfolgt.